Wurde Arafat doch vergiftet?

RAMALLAH (inn) – Um kaum einen Tod wurde so viel spekuliert, wie um den des Gründers der palästinensischen Nation, Jasser Arafat. Nun sind neue Vergiftungsvorwürfe laut geworden.

Im Herbst 2004 hatte sich die ganze Welt gebannt auf die palästinensische Autonomiestadt Ramallah konzentriert, und auf ihr „Herz“, das Präsidialareal, die „Mukata‘a“. Nach monatelanger Belagerung durch die israelische Armee wurde der deutlich gealterte Palästinenserpräsident schließlich in ein Militärkrankenhaus in Paris ausgeflogen, wo er wenig später starb. Von Mythen war das Leben des Meisterterroristen umwoben. Mythen umranken seinen Tod auch noch acht Jahre nach der wilden Beerdigung im November des Jahres. War die Todesursache Krebs, eine Leberzirrhose, der berüchtigte HI-Virus? Ärzte, die Arafat behandelt haben, verweigern die Auskunft mit dem Verweis darauf, dass der Gesundheitszustand des Präsidenten ein Militärgeheimnis sei.

Nach neun Monaten intensiver Recherche will der arabische Nachrichtensender „Al-Dschasira“ jetzt herausgefunden haben, dass Arafat kerngesund war, bis er am 12. Oktober 2004 völlig unerwartet erkrankte. Das Schweizerische „Institut de Radiophysique“ in Lausanne habe persönliche Gegenstände des palästinensischen Idols – Kleider, seine Zahnbürste, seine Keffije – untersucht, die mit Arafats Blut, Schweiß, Speichel und Urin befleckt sind. Institutsdirektor Francois Bochud bestätigte gegenüber „Al-Dschasira“ einen „nicht erklärten, erhöhten Anteil von Polonium 210 im persönlichen Eigentum von Herrn Arafat“.

Witwe fordert Untersuchung

Die Witwe Suha Arafat forderte nun von der Palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah, den Leichnam des Palästinenserführers zu exhumieren, um feststellen zu lassen, ob er nicht doch vergiftet wurde. Darauf erklärte Ramallah umgehend, die palästinensische Führung werde alles tun, um bei der Aufklärung der Todesursache von Arafat zu helfen. Die radikal-islamische Hamas, die den Gazastreifen beherrscht, forderte die Einrichtung eines nationalen Ermittlungskomitees für diesen Zweck.

Das berühmteste Polonium-Opfer ist der russische Spion Alexander Litvinenko, der 2006 in einem Londoner Krankenhaus starb. Britische Ermittler gehen davon aus, dass ihm in einem Sushi-Restaurant Polonium in den Tee gemischt worden war. Der Russe hatte vor seinem Tod an starkem Durchfall, Gewichtsverlust und Erbrechen gelitten – samt und sonders Symptome, die auch bei Arafat in den Tagen und Wochen seiner letzten Krankheit diagnostiziert worden waren, beobachtet „Al-Dschasira“. Der Sender aus Katar am Persischen Golf will zudem von mindestens zwei Beschäftigten des israelischen Nuklearforschungsprogramms wissen, die an einer Poloniumvergiftung gestorben sind.

Suha Arafat ist überzeugt, dass „jedermann ihn liebt“ und erhofft sich von einer Aufklärung der Todesursache ihres Mannes, „dass sein Vermächtnis verherrlicht wird, dass mehr Leute in seine Fußstapfen treten, dass das Land nicht aufgegeben wird“. „Er wird unseren Unterhändlern erlauben, noch gerissener, noch aggressiver zu sein“, erklärte sie in einem Exklusiv-Interview mit „Al-Dschasira: „Wenn Israel schon keinen Frieden mit Arafat wollte, müssen wir jetzt noch viel unnachgiebiger sein im Blick auf den Frieden.“

Islamische Parallele

In der Diskussion um den Tod des immerhin 75-jährigen Jasser Arafat , der schon zu Lebzeiten gerne ein mythisches Idol gewesen wäre und dies bestimmt für viele seiner Nachfolger heute ist, drängt sich eine Parallele unweigerlich auf: Der Gründer des Islam , der Prophet Mohammed, wurde der Legende zufolge von einer jüdischen Kriegsgefangenen, die er zur Frau genommen hatte, vergiftet.

Von: Johannes Gerloff, israelnetz.com

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