Neue Stellungnahme der DIG zur Burgwedeler Mahnmalkontroverse

In der gestrigen Ausgabe der HAZ erschien ein Interview des Burgwedlers Bürgermeisters Dr. Hoppenstedt, in dem dieser sich auch zur Kontroverse um das Mahnmal in seinem Ort äußert. Er bezeichnet die Kritik an dem Burgwedler Vorgehen – gemeint ist insbesondere die DIG – als “schlimme und haltlose Vorwürfe”. Dies zeigt ein sehr problematisches Verhältnis des Dr. Hoppenstedt zur Realität und ist ein weiterer Versuch von ihm, seine Kritiker zu diffamieren. Ich habe daher den folgenden Leserbrief an die HAZ geschrieben, denen ich Ihnen auf diesem Weg ebenfalls zur Kenntnis geben möchte.

“In seinem Interview in der HAZ vom 12.Juli 2011 wird der Burgwedeler Bürgermeister Dr. Hoppenstedt auch zu der Kontroverse um ein Mahnmal für die Burgwedler Soldaten des 2. Weltkrieges befragt. Auf diesem Mahnmal sollten auch Angehörige der SS und der Waffen-SS als Opfer genannt werden. Der von Dr. Hoppenstedt wiederholten Behauptung über die Integrität der betreffenden SS-Angehörigen stehen die folgenden Fakten gegenüber:

Alle sechs SS-Angehörigen unter den Militäropfern Großburgwedels haben sich freiwillig zur SS gemeldet und aus eigenem Antrieb dem “Führer” bedingungslosen Gehorsam bis in den Tod geschworen. Als sie fielen, waren sie zwischen 19 und 44 Jahre alt. Vier von ihnen sind vermutlich aktiv oder durch ihre Einheiten in Menschenrechtsverbrechen verstrickt. So z. B. ein SS-Hauptwachtmeister, der in Lida/Estland Eigentum der ermordeten Juden gestohlen und verschoben hat. Er wurde dieses Deliktes wegen sogar vom SS Truppendienstgericht zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt (das Urteil liegt Herrn Dr. Hoppenstedt vor). Danach wurde er zur 3. Kompanie des SS Polizeiregimentes 17 versetzt, das nach Feststellung des Landgerichts Hamburg an Massenerschießungen von Juden beteiligt war (Urteil LG Nr. 898/85). Ein weiterer 33jähriger gehörte zur 5. Panzer-Division “Wiking”, die bereits 1941 an Massenerschießungen im Osten beteiligt war.

Auch zwei Angehörige von SS-Totenkopfstandarten befanden sich bereits auf der Gedenktafel des Mahnmals. Sie gehörten zu den Leibstandarten Adolf Hitlers “Das Reich” und “Germania”. Diese Einheiten wurden kurz nach der Machtübernahme 1933 als Verfügungsverbände der NSDAP gegründet. Sie gingen bereits vor dem Krieg erbarmungslos gegen innenpolitische Gegner vor und stellten große Teile der Stammbelegschaften vieler KZ. Diese “Knochenbrechergarden” waren Himmlers “Elite” unter den NS-Gewalttätern. “Hitler war stolz auf sie; er liebte sie” (Eugen Kogon, Der SS-Staat). Beide Einheiten waren mehrfach in Kriegsverbrechen verstrickt: “Das Reich” war verantwortlich für die Ermordung von 642 französischen Zivilisten, darunter 240 Frauen und 212 Kindern in Oradour sur Glane. Danach wurde das Dorf angezündet, es brannte vollständig ab. Es ist heute noch unverändert als Mahnstätte zu besichtigen.

Das von der Stadt Burgwedel beauftragte Niedersächsische Institut für Historische Regionalforschung hat Herrn Dr. Hoppenstedt in einem Schreiben vom 15.10.2010 mitgeteilt, dass es keinesfalls als Freispruch zu bewerten sei, wenn zu einer Person aus einer belasteten Einheit keine individuellen Informationen vorlägen, da ein großer Teil der Verbrechen dieser SS-Verbände nirgends dokumentiert sei. Auch das Simon Wiesenthal Center hat sich zu den Burgwedeler SS-Angehörigen in diesem Sinne geäußert.”

Kay Schweigmann-Greve
1. Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Hannover

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>