Deutsch-Israelische Gesellschaft - AG Hannover

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3. Presseerklärung zur Großburgwedler Mahnmalkontroverse

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Freundlicherweise hat sich die ehemalige Mitarbeiterin des Volksbundes, die die Schüler-AG des Gymnasiums bei ihren Recherchen betreut hat, bereiterklärt, am 29.10.09 den aktuellen Wissensstand hinsichtlich der NS-Geschichte in Großburgwedel zu erläutern und dabei Erkenntnisse mitzuteilen, die Ortsrat und Öffentlichkeit bisher nicht bekannt waren. Hierdurch ergeben sich Änderungen in dem zugrunde zu legenden historischen Sachverhalt, die Kritik an der aktuell geplanten Mahnmalgestaltung wird hierdurch jedoch nicht zur Gänze ausgeräumt:

Bei fünf der für die Gedenktafel „Tor der Erinnerungen“ vorgesehenen Personen handelt es sich zweifelsfrei um SS-Angehörige. Wie nun bekannt wurde, ist darüber hinaus eine persönliche Verstrickung dieser Personen in Verbrechen ihrer Organisation nicht nachweisbar. Für konstruktive Beratung über die aufzunehmenden Namen in der Ortsratssitzung in Großburgwedel am 24.08.09 sowie für alle weiteren Diskussionen wäre eine zeitnahe Mitteilung aller Informationen wünschenswert gewesen.

Nur bei einer der in die Sozial- und Behinderteneinrichtung eingewiesenen Personen konnte nachgewiesen werden, dass sie im Rahmen des Euthanasieprogramms ermordet wurde. Dass ihr Name auf der Gedenktafel erscheinen soll, ist angemessen.

Beachtenswert ist die engagierte und unvoreingenommene Arbeit der Schüler des örtlichen Gymnasiums, deren Ergebnisse hinsichtlich des Schicksals der polnischen Säuglinge auch in die Gestaltung des Mahnmals Eingang gefunden haben. Umso bedauerlicher ist der Umstand, dass den drei Sinti-Kindern, die als Opfer auch die vom Ortsrat aufgestellten Kriterien erfüllen, das Andenken verweigert werden soll. Auch eine weitere Sinti aus Burgwedel, deren Tod in Auschwitz von niemandem bestritten wird, soll nicht aufgenommen werden, da sie nicht in Großburgwedel, sondern – drei Kilometer entfernt – in Kleinburgwedel geboren wurde. Im Unterschied zu den Kleinburgwedeler Soldaten, derer auf dem Kleinburgwedler Kriegerdenkmal gedacht wird, wird ihr Name nun nirgends genannt werden. Es hätte Großburgwedel gut zu Gesicht gestanden, diese Burgwedelerin in ihr Gedenken aufzunehmen!

Auch die Entscheidung hinsichtlich der jüdischen Opfer ist unglücklich. Es ist sicher unangemessen, ihrer mit potentiellen Tätern gemeinsam zu gedenken, sodass der Unterschied zwischen Tätern und Opfern eingeebnet wird. Vor die Entscheidung gestellt, hier der Burgwedler Angehörigen von NS Organisationen oder Burgwedler jüdischer Bürger zu gedenken, entscheidet sich Großburgwedel gegen seine Juden. Es wäre wünschenswert gewesen, hier das Gespräch mit dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden fortzusetzen, um zu einer befriedigenden Lösung zu gelangen.

Kein Verständnis besteht weiterhin für das Bestreben, eine Person in das Gedenken aufzunehmen, die Mitglied des SD war. Der SD als Institution wurde von den Alliierten in Nürnberg zur „verbrecherischen Organisation" erklärt, er war nicht nur für die gnadenlose Verfolgung politischer Gegner, sondern federführend für Planung, Organisation und Durchführung des Holocaust verantwortlich. Die SD Mitgliedschaft der betreffenden Person geht sowohl aus der Kirchenchronik der St. Petri Gemeinde, als auch aus der Burgwedler „Stoll-Chronik“ hervor (dort bezeichnet als SSD = Staatssicherheitsdienst). Diese Organisation verstand sich als Elite der NS-Organisationen und war stolz darauf, nur aus „gefestigten“ Nationalsozialisten zu bestehen, die nicht davor zurückschreckten, selbst die mörderischen Konsequenzen aus ihrer verbrecherischen Ideologie zu ziehen. Ein Mitglied dieser Organisation als Opfer nationalsozialistischer Gewalt zu bezeichnen, grenzt an Hohn gegenüber den tatsächlichen Opern!

Auch die Weigerung, die beiden in Burgwedel umgekommenen britischen Piloten in das Gedenken aufzunehmen, ist traurig. Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewalt sollte immer auch den zukunftsgewandten Aspekt der Versöhnung haben. Die Möglichkeit einer entsprechenden Geste gegenüber den Opfern der damaligen Gegner und späteren Befreier wird hier vertan.