Deutsch-Israelische Gesellschaft - AG Hannover

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Antwort auf die Presseerklärung der Stadt Burgwedel vom 27.10.09 und den Zeitungsartikel der NHZ vom 28.10.09

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[Link zur Presseerklärung der Stadt Großburgwedel]

Es bleibt dabei: Die Stadt Burgwedel möchte auf ihrem Mahnmal unter den „Opfern der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ fünf Mitglieder der SS sowie ein Mitglied des SD würdigen.

Dass es sich bei den betroffenen Personen um SS-Angehörige handelt, wurde von der Wehrmachtsauskunftsstelle (WAST) in Berlin bestätigt. Dass es sich bei einer weiteren Person – zu der die WAST keine Auskunft geben konnte – um ein Mitglied des SD handelt ist aus dem offen ausliegenden Buch der Kirchenchronik der St. Petri zu Großburgwedel unter dem 03.06. nachzulesen. Eintragungen dort erfolgten auf Veranlassung der Angehörigen unmittelbar nach dem Kriege, als es noch als Ehre galt, für den NS-Sicherheitsdienst gewirkt zu haben.

Über die Aufnahme der Namen auf das Mahnmal hatte der Ortsrat zu entscheiden. In der entsprechenden Sitzung am 24.08.09 wurde auf den Antrag eines Ortsratsmitgliedes, die persönliche Verstrickung dieser Personen in Kriegsverbrechen und den Holocaust zu überprüfen, nicht eingegangen. Es wurde Schluss der Aussprache beantragt. Eine Überprüfung der möglichen Verstrickungen durch die WAST ist im Übrigen gar nicht möglich, da diese Stelle nur darüber Auskunft gibt, ob eine Person überhaupt der Wehrmacht oder einer anderen Waffengattung angehört hat (und ob sie ums Leben gekommen ist). Die Ergebnisse der von Herrn Bürgermeister Dr. Hoppenstedt nun behaupteten wissenschaftlichen Überprüfung durch die Zentralstelle der Landesjustizverwaltung wurde bisher weder dem Orstsrat, noch der Öffentlichkeit mitgeteilt. Es war nicht einmal bekannt, dass überhaupt eine Anfrage vorgenommen wurde. Wenn nun Ergebnisse hierfür vorliegen, wäre zu erwarten, dass diese Öffentlichkeit und Ortstrat vorgelegt werden – dies ist bisher nicht geschehen. In früheren Sitzungen hatte sich der Ortsbürgermeister Herr Bahlo mündlich ausdrücklich gegen eine solche Überprüfung ausgesprochen.

Es trifft zu, dass der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge die örtliche Spurensuche der Schülergeschichts-AG des Gymnasiums tatkräftig unterstützt hat. Allerdings wurden die Rechercheergebnisse überwiegend nicht berücksichtigt.

Die Jahrestagung der Stiftung der Niedersächsischen Gedenkstätten hat aufgrund dieser Entwicklung am 29.08.09 in einer Resolution seine „große Sorge“ über den „Mahnmalkonflikt“ zum Ausdruck gebracht. Insbesondere wurde die Ausgrenzung von drei Sintikindern aus der Erinnerung an die Opfer als „nicht hinnehmbar“ kritisiert. „Als ebenso problematisch wird der Rückzug des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden aus der Mahnmalgestaltung betrachtet.“ Weiter heißt es dort: „Es erscheint problematisch, NS-Opfern und potentiellen Tätern gemeinsam mit einem Mahnmal zu gedenken.“ Die Bitte des Landesverbandes, von der Nennung jüdischer Opfer auf diesem Mahnmal abzusehen, als „Anerkennung“ zu bezeichnen, ist zumindest verwunderlich!

Genauso erstaunlich ist die Aufforderung zu einem konstruktiven Gespräch, da ja bereits das Gesprächsangebot des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinden in seinem Brief vom 10.08.09 von der Stadt nicht aufgegriffen worden ist.

Man kann wohl kaum sagen, dass unsere Stellungnahme vom 26.08.09 „jeder Grundlage“ entbehre!

Es erscheint charakteristisch für den Geist, indem die gesamte Mahnmaldebatte verlaufen ist, dass weder die Sintikinder, noch die über Großburgwedel abgestürzten britischen Piloten, noch die Euthanasieopfer Erwähnung finden sollen.

Gar keine Berücksichtigung finden darüber hinaus zwei Großburgwedeler NS-Justizopfer, Fritz U. und Fritz G., die in Großburgwedel eine Lehre absolviert hatten und wegen Bagatelldiebstählen als „Volksschädlinge“ von einem NS-Sondergericht zum Tode verurteilt und in der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel ermordet wurden. Die von einem Ortsratsmitglied vorgetragenen Hinweise auf diesen Sachverhalt, fanden nicht einmal Eingang in das Sitzungsprotokoll vom 24.08.09.


Für den Vorstand der DIG-AG Hannover

Kay Schweigmann-Greve (Vorsitzender)