High Tech im Kibbuz Ketura und im Arava-Institut

Besonders  interessant und lehrreich waren die Kibbutz-Aufenthalte anlässlich unserer Bildungs- und Studienreise. Bleibend war mein Eindruck vom Kibbutz Ketura, der 1973 von jungen amerikanischen Zionisten unmittelbar an der jordanischen Grenze in der Negev-Wüste gegründet wurde. Die etwa 300 Kibbutz-Bewohner (Mitglieder, Kinder und Gast-studenten/innen) verbreiten Lebensfreude. Sie wohnen in kleineren raümlichen Hütten oder eingeschossigen Häusern, die überwiegend mit Vorgärten oder gemütlichen Grillecken ausgestattet sind.

Eine stattliche Kuhherde und ausgedehnte Dattelplantagen zeugen davon, dass die Landwirtschaft nach wie vor einen hohen Stellenwert genießt. Die Bewohner haben sich jedoch auch neue Erwerbsquellen erschlossen, die ein hohes Maß an Ideenreichtum und Innovationskraft erkennen lassen: Eine großflächige, von der Firma Siemens errichtete Photovoltaik-Anlage mit einer Gesamtleistung von fünf Megawatt nutzt die Sonnenbestrahlung der Wüste und liefert energiefreundlichen Strom, in einer Algenfarm wird mit einem Filtrationssystem ein hochwertiger natürlicher Farbstoff (Astaxanthin) gewonnen, der insbesondere in der pharmazeutischen und kosmetischen Industrie zur Anwendung gelangt.

Der Kibbuz ist auch Sitz des Arava-Instituts für ökologische Studien in dem jeweils für ein Jahr 35 Studenten/innen aus aller Welt ausgebildet und unterrichtet werden. Das Gemeinschaftsgefühl steht dabei im Vordergrund und erhält dadurch einen besonderen Anreiz, dass arabische und jüdische Studenten gemeinsam versuchen, die schwierige Lebenssituation in der Wüste mit umweltorientierten Forschungsansätzen und Lösungsvorschlägen zu verbessern. Ausgewählte Projekte befassen sich u.a. mit der sparsamen grenzüberschreitenden Wassernutzung, dem effizienten Einsatz erneuerbarer Energien, der nachhaltigen Bodennutzung und Landwirtschaft, der Umwelterziehung sowie langfristigen sozio- ökologischen Untersuchungen. Wie uns die geschäftsführende Direktorin des Instituts, Frau Miriam Sharton, und zwei Studentinnen darlegten, wird auch auf die Unterweisung friedenspolitischer Zusammenhänge besonderen Wert gelegt. Seit Gründung des Instituts im Jahr 1996 haben schon über 400 Studenten/innen diese hervorragende Ausbildungsmöglichkeit genutzt und bilden heute mit ihren Berufsfeldern ein Netzwerk, das eine außerordentliche ökologische und friedensstrategische Ausstrahlung widerspiegelt.

Inmitten von Ketura steht ein kleines, von einem feingeschmiedeten Eisengitter umgebenes Dattelbäumchen mit dem Namen Methusalem. Es erwuchs aus einem uralten Kern, der auf der historischen Festungsanlage Massada am Toten Meer gefunden wurde und aufgrund der dortigen besonderen Klimabedingungen erneut zum Leben erweckt werden konnte. Das Bäumchen verkörpert eine 2000-jährige Geschichte, hat die Diaspora des Judentums überlebt und ist ein einzigartiges Symbol für die Resistenz und Lebenskraft der Natur und die sehr anerkennenswerte nachhaltige Umwelt- und Friedensausrichtung des Arvara-Instituts.

Jochem Schäfer

 

 

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