Hannover bekommt 65 neue Stolpersteine

Insgesamt 65 neue Stolpersteine verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig vor zwei nebeneinander stehenden Häusern in Hannover in der Wißmannstraße 11 und 13 auf Initiative der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, AG Hannover und unter organisatorischem Mitwirken der Stadt Hannover. Eine solch große Zahl dieser kleinen Mahnmale, sagte Gunter Demnig, hat er bis lang in seinem über 10-jährigen Wirken in solcher Dichte noch nie verlegt. Die zwei Gebäude wurden von der jüdischen Simonschen Stiftung noch 1936 bezugsfertig erstellt, entsprachen dem damaligen modernsten Standard der Wohnqualität und wurden ausschließlich von Deutschen jüdischen Glaubens bewohnt.

Oberbürgermeister Stephan Weil, Ruth Gröne und Gunter Demnig zeigen den zahlreichen Besuchern und den anwesenden Medien die zu verlegenden Stolpersteine
Etwa 150 Menschen fanden hier ihren letzten freiwillig gewählten Wohnort, von denen 65 von den Nationalsozialisten ermordet wurden oder freiwillig aus dem Leben geschieden sind. „Es war die glücklichste Zeit meines Lebens“ berichtete Ruth Gröne, geb. Kleeberg, den in großer Zahl anwesenden Bürgerrinnen und Bürgern und mit starker Beteiligung der Medien. Sie ist die einzige noch lebende ehemalige Bewohnerin des Hauses Nr. 11 und erlebte dort als Tochter einer christlichen Mutter und eines jüdischen Vaters den ständig wachsenden Terror des Nazi-Regimes. „Ich erinnere mich an die großen schwarzen Stiefel“, das waren vermutlich SA-Männer, die am 10. November 1938 die Wohnungen der Häuser durchsuchten. „Ich war noch so klein und habe deshalb nur ihre großen, langen schwarzen Stiefel gesehen, die auch deshalb so beängstigend wirkten, weil sie mit denen so laut auftraten.“ An diesem Tage veränderte sich ihr Leben dramatisch. „Wir dürfen nicht mehr mit dir spielen, unsere Eltern haben das verboten, du bist ein Judenkind!“ hörte sie von ihren besten Freundinnen, denn „bis dahin hatte die Tatsache, dass ich ein jüdisches Mädchen war, keine Rolle gespielt.“

Der Hannoversche Oberbürgermeister Stephan Weil war, wie alle Zuhörenden, beeindruckt von den in ruhigem, gefastem Ton vorgetragenen erschütternden Erlebnissen von Ruth Gröne. Stephan Weil hob beson-ders die gute, konstruktive Zusammenarbeit von DIG Hannover und Stadtverwaltung hervor und betonte, dass dies ein Tag der Erinnerung und der Mahnung sei. „Aus vielen kleinen Stolpersteinen ist ein großes Mahnmal geworden“, sagte Weil weiter. Er bedankte sich bei den Schülerinnen und Schülern der Klasse 10 V der Wilhelm-Raabe-Schule, die im Rahmen eines Projektes dem Schicksal der ermordeten Bewohner der Häuser nachgegangen sind und sie lasen ihre Namen einzeln vor. Schülerinnen und Schüler der Ricarda Huch Schule beteiligten sich am nächsten Tag als in der Harnischstraße weitere 15 Stolpersteine verlegt wurden.

Die Kosten, 95,- € pro Stein für die Herstellung und die Verlegung, wurden ausnahmslos von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt nach einem Aufruf durch die DIG Hannover durch Übernahme von Patenschaften gedeckt. Daran beteiligten sich großzügig auch die heutigen Besitzer des Hauses Nr. 11.

Frank Lehmberg

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