Guy Stern am 23.11 in Hannover

Guy Stern: „Dies war mein Krieg. Es war nicht der Gedanke an Rache, sondern an die Menschen, die unter den Nazis litten. Es ging um Solidarität mit den Opfern“ 

Guy Stern, geboren 1922 in Hildesheim, erlebte eine sorglose und vom Antisemitismus unbelastete Kindheit als Mitglied im Sportverein und, nach der jüdischen Grundschule, Pennäler am Hildesheimer Gymnasium. 1933 änderte sich dies schlagartig. Die jüdische Jugendbewegung „Schwarzes Fähnlein“ wurde nun ein wichtiger Rückzugsort vor Ausgrenzung, Beleidigung und Angriffen, die jetzt den Alltag prägten.

1937 gelingt es den Eltern ein Einreisezertifikat für die USA für den Sohn zu erhalten, Guy reist zu einem Onkel nach St Louis, Missouri. In den USA arbeitet er zunächst als Kellner und versucht Geld zu verdienen und Bürgen für die Einreise seiner Familie zu bekommen, dies scheitert. Guy meldet sich 1942 zur US-Army und wird gemeinsam mit anderen Emigranten aus Deutschland in Camp Ritchie als Verhörspezialist für kriegsgefangene deutsche Soldaten ausgebildet. 1944 landet er nur drei Tage nach D-Day, dem Tag der Invasion, in der Normandie. Gemeinsam mit den ebenfalls in Camp Ritchie ausgebildeten Kameraden verhört er deutsche Kriegsgefangene und Überläufer. Er wird in Frankreich, Belgien und Deutschland eingesetzt und verhört sogar einen Hildesheimer aus seinem ehemaligen Sportverein Eintracht. Später erhält er den Bronze Star der Vereinigten Staaten für seine Verdienste bei der Massenbefragung des deutschen Volkssturms.

Nach der Kapitulation Deutschlands macht sich Guy Stern auf die Suche nach seiner Familie und erfährt, dass sie zunächst ins Warschauer Ghetto deportiert und dort bzw. im KZ Treblinka ermordet wurde. Nach Kriegsende fahndet er für die Militärregierung in Karlsruhe nach NS-Kriegsverbrechern und kehrt noch 1945 mit 23 Jahren in die USA zurück, um sein Studium zu beenden. Seine Berufstätigkeit beginnt als Deutschlehrer, heute ist er ein international anerkannter Professor für Deutsche Sprache und Literatur mit dem Schwerpunkt Exilliteratur. Seit 1978 ist Guy Stern Professor an der Wayne State Universität in Detroit, inzwischen Träger der Goethemedaille und des großen Bundesverdienstkreuzes. Wiederholt führten ihn Gastprofessuren nach Deutschland, u.a. an die Universitäten Freiburg, Frankfurt, Leipzig, Potsdam und München.

Guy Stern wird einen kurzen Film über seine Tätigkeit bei den Ritchieboys zeigen und anschließend aus seinen Leben berichten. „Hervorheben werde ich die Tätigkeit meiner Einheit bei der Befragung von Kriegsgefangen, der Untersuchung von Dokumenten, psychologischer Kriegsführung und gegen Ende des Krieges, die Suche nach Kriegsverbrechern. Ebenfalls werde ich die spezifisch jüdischen Erfahrung der Einheit der Ritchieboys während des Krieges thematisieren.“ Auch für Fragen, etwa nach der jüdischen Jugendbewegung, wird Zeit sein. 

Veranstaltung: 

23. November 2013 um 19 Uhr in der Fuhsestraße 6 im Gemeindesaal der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover. 

Der Eintritt ist frei, Prof. Stern freut sich über eine Spende für das Holocaust Museum in Detroit, wo er bis heute tätig ist.

Eine Veranstaltung der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) 

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