Gemeinsame Erklärung des Jungen Forums der DIG AG Hannover und der Jusos Niedersachsen

Auch 66 Jahre nach der Gründung Israels gilt: Antisemitismus bekämpfen, immer und überall!

Gemeinsame Presseerklärung der Jusos Niedersachsen und des Jungen Forums der Deutsch-Israelischen Gesellschaft AG Hannover anlässlich des 66. Gründungstages Israels und des aktuell grassierenden Antisemitismus: …

Am 14. Mai 1948 wurde der Staat Israel gegründet und bietet seitdem allen jüdischen Menschen einen Schutzraum. Die Gründung des jüdischen Staates ist letztendlich die Konsequenz aus der jahrhundertelangen Verfolgung, welche im Vernichtungswahn der Nationalsozialisten, der Shoa, gipfelte. Damals, 1948, attackierten die Nachbarstaaten Israel nur wenige Stunden nach der Gründung und auch heute noch müssen die Israelis um ihre Sicherheit bangen, denn immer wieder kommt es zu Attentaten und Terroristen aus aller Welt machen keinen Hehl aus ihrem eliminatorischem Antizionismus.

Aktuell gibt es auch in Deutschland vermehrt Grund zur Sorge: z.B. durch die sogenannten „Montagsdemos“, auf denen es zu reichlich antisemitischen Meinungsäußerungen kommt. Die Mahnwachen bzw. Demonstrationen, welche sich für „den Frieden in der Welt“ aussprechen, werden zunehmend von rechten VerschwörungstheoretikerInnen, Querfront-Aktivistinnen und bekennenden Neonazis gekapert. In Hamburg beispielsweise wurden KritikerInnen einer dort stattfindenden Mahnwache attackiert und mit Aussprüchen wie „Scheiss Juden“ wurde ihnen eine Israel-Fahne entrissen; in Berlin demonstrierte der dortige NPD-Landesvorsitzende mit und auch die „Reichsbürgerbewegung“, eine extrem rechte Splittergruppe, ergreift gerne mal das offene Mikro, um ungehindert Geschichtsrevisionismus zu betreiben. Das sieht dann so aus, dass erklärt wird, Deutschland sei nach wie vor von den „Alliierten besetzt“. Immer wieder kommt es auf den Montagsdemos zu antisemitischen Aussagen über das „Zinssystem“ oder „die da oben“. Diese Aussagen sind das Resultat einer verkürzten Kapitalismuskritik, welche meint, Missstände des Wirtschaftssystems an einzelnen AkteurInnen festmachen zu können. Die dem Kapitalismus immanenten Krisen werden so als das Machwerk einiger weniger gedeutet, welche sich auf Kosten der „ehrlich arbeitenden Bevölkerung“ bereichern würden. Hinter dieser, durch und durch antisemitischen, Argumentationsweise stehen beispielsweise Persönlichkeiten wie der Ex-Marxist Jürgen Elsässer, ein beliebter Redner auf den Montagsdemos. Elsässer, welcher bereits homophobe Veranstaltungen mit Thilo Sarrazin organisierte und sich mit dem bekennenden Holocaustleugner und Juden-Hasser Ahmadinedschad solidarisierte, sagte am 21. April in Berlin, es seien „Rockefeller“ und „Rothschild“, die „die Welt ins Chaos“ stürzten. Besonders bizarr: Auch die „eurokritische“ Partei Alternative für Deutschland lädt Elsässer zu Veranstaltungen ein. Damit hofiert die AfD, die sonst bei jeder Gelegenheit versucht, sich von Rechtsextremismus zu distanzieren, einen Redner, der auch schon mal eindeutig biologistische Äußerungen über die „Vermischung der Völker“ tätigt oder auch völlig ungeniert die deutschen Konzentrationslager verharmlost.

Doch Antisemitismus findet sich nicht nur am Rand der Gesellschaft, er existiert bei weitem nicht nur in den Köpfen einiger Neonazis, QuerfrontlerInnen oder selbsternannter „Truther“, die dilettantisch zusammen geschnittenen YouTube-Videos über 9/11, Israel oder Kondensstreifen mehr Glauben schenken als seriösen Medien. Antisemitismus findet sich mitten in der Gesellschaft, dies belegen zahlreiche Studien. Rund ein Viertel der Bevölkerung hegt antisemitische Vorurteile, welche es schon seit Jahrhunderten gibt. 8-10% der Deutschen haben ein gefestigtes antisemitisches Weltbild. Aussagen über eine angebliche „Gier“ der Juden oder einen „zu großen jüdischen Einfluss“ in der Welt oder der Presse werden nicht nur am Stammtisch genauso von sich gegeben wie in AkademikerInnenkreisen, denn wie insbesondere die Untersuchungen der Linguistin Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel herausstellen, finden sich antisemitische Ressentiments in hohem Maß bei AkademikerInnen. Diese Statistik ist wenig verwunderlich, bedenkt man die Entgleisungen vieler ÄrztInnen, JuristInnen, etc. die zur Zeit der unsäglichen Beschneidungsdebatte im Jahr 2012 geäußert wurden.

Ständig kommt es zu antisemitischen Vorfällen, im Fußballstadion, auf dem Schulhof und im Feuilleton großer deutscher Zeitungen. Egal wo man auf Antisemitismus trifft, es gilt, diesen als solchen zu benennen und konsequent zu bekämpfen. Hierzu bedarf es der Courage aller aufgeklärten Menschen! Antisemitische Hetze darf nirgendwo hingenommen werden, ganz gleich, ob sie als regressive Kapitalismuskritik, doppelzüngiger Friedensappell oder plattes Ressentiment daherkommt.

Heute, am 66. Geburtstag Israels nach gregorianischer Zeitrechnung, konstatieren wir: Israel ist die Schutzmacht derjenigen, die aufgrund von sexueller Identität oder Herkunft verfolgt werden, so freuen wir uns über die 66 Jahre, erheben die Gläser und wüschen: Auf die 120! Und noch viele Jahre mehr.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>