Ein Kino im Westjordanland

In Palästina gab es viele moderne Kinos. Die Menschen standen Schlange, um Filme zu sehen. Frauen trugen Miniröcke statt Kopftüchern. Der deutsche Regisseur Marcus Vetter fragte sich, wie es wohl wäre, wenn in der Stadt Jenin im Westjordanland wieder Filme gezeigt würden. Er baut – zusammen mit zwei Palästinensern und deutscher Unterstützung – ein verfallenes Kino wieder auf. Nicht ohne Widerstand. Sein neuer Dokumentarfilm „Cinema Jenin“, der ab 19. Juli in Hannover zu sehen ist, erzählt diese Geschichte.

Cinema JeninEin Vater will die Spirale des Hasses durchbrechen: Seinen elfjährigen Sohn Ahmed traf 2005 im Flüchtlingslager von Jenin im Norden des Palästinensergebietes eine tödliche Kugel der israelischen Armee. Der Vater Ismail Khatib entschloss sich, die Organe seines Sohnes israelischen Kindern zu spenden – um ein Zeichen zu setzen gegen den Hass zwischen Israelis und Palästinensern.

Die Geschichte von Ismail Khatib, seinem getöteten Sohn und dem Umgang des Vaters mit seiner Trauer ist Inhalt des Dokumentarfilms „Das Herz von Jenin“. Dafür wurde der Regisseur Vetter mit dem „Cinema for Peace Award“ und dem Deutschen Filmpreis 2010 als Bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Der Erfolg dieses Films war Vetter jedoch nicht genug. Er wollte vor Ort dauerhaft etwas verändern. Mit dem Vater Ismail Khatib und dessen Übersetzer Fakhri Hamad verschrieb er sich dem Ziel, das „Cinema Jenin“, ein verfallenes Kino, wiederaufzubauen und zu einem kulturellen Zentrum zu machen. Daraus entstand sein neuer Dokumentarfilm „Cinema Jenin“, der am 28. Juni 2012 in die deutschen Kinos kam.

Cinema Jenin KinderGegenüber Deutschlandradio erklärte der Filmemacher seine Intention zur Eröffnung des Kinos und zum Film: „Es ging vor allen Dingen um Normalisierung. Ob so ein Projekt überhaupt erlaubt ist in Palästina, wenn die Besatzungsarmee Israel noch vor Ort ist. (…) Und dann gibt es auch andere politische Kräfte, die so ein Projekt letztendlich eher als Mittel des Kampfes sehen, um die Besatzung abzuschütteln. Da ist es natürlich immer so, der Teufelskreis muss irgendwo durchbrochen werden. Und wir haben dieses Kino aufgebaut auf der Entscheidung von Ismail Khatib, der die Organe seines gestorbenen Sohnes an israelische Kinder gespendet hat. Und das war eigentlich die Grundvoraussetzung für dieses Kino. Dass man sagt, okay, wie kann man am besten einen solchen Teufelskreis durchbrechen. Und dafür brauchen wir Menschen aus aller Welt, die nach Jenin kommen, um mit eigenen Augen zu urteilen und nicht auf die Vorurteile einzugehen, die es überall gibt. Und dafür steht dieses Kino.“

Dschungel der Bürokratie

Im Film schildert Vetter in der Art eines persönlichen Tagebuchs das schwierige, aber schließlich erfolgreiche Ringen um das ungewöhnliche Projekt. Immer wieder fehlt das Geld. Immer mehr freiwillige Helfer kommen nach Jenin. Im Dschungel der Bürokratie des selbstverwalteten Palästinensergebietes müssen die beiden Misstrauen und Vorurteile überwinden, Rückschläge wegstecken und Geduld beweisen, was auch seine komischen Seiten hat.

Das „Cinema Jenin“ wurde im August 2010 nach 20 Jahren wieder eröffnet. Das in den 60er Jahren erbaute Kino galt als eines der bedeutendsten Lichtspielhäuser in den Palästinensergebieten, bis es mit dem Ausbruch der ersten sogenannten Intifada im Jahr 1987 geschlossen wurde.
Text: ms/israelnetz.com

Ozzizieller Trailer:


Ab Donnerstag, 19. Juli, läuft der Film in Hannover. Das Kino im Künstlerhaus (Sophienstr. 2) zeigt den Wiederaufbau des alten Kinos bis zum Sonntag, 22. Juli, täglich um 18 Uhr. Mehr Information.

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