Ehemalige Schülerin der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem besucht Hannover

Heute lebt Marga Griesbach bei Seattle im Staate Washington, USA, und besucht seit 2003 gerne wieder ihre alte Heimat. Dieses Mal will sie ihrer Tochter, ihrem Schwiegersohn und ihrer Enkelin auch Hannover zeigen. Frank Lehmberg von der DIG Hannover begleitet sie und ihre Familie, erläutert an Hand der Modelle im Rathaus die Entwicklung der Stadt. „Wir fuhren auf den Rathausturm, um die Stadt in der Realität wahrnehmen zu können, besuchten die Erinnerungsstätte am Standort der ehemaligen Synagoge in der Roten Reihe und gingen durch die Altstadt zum Mahnmal für die ermordeten hannoverschen Juden am Opernplatz. Margas Familie war begeistert von der Stadt und von Deutschland, sie versprachen dieses Land ein weiteres Mal zu besuchen.“

Damals in der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem konnte sich Marga relativ sicher fühlen in der sonst für sie feindlichen Umgebung. Sie wuchs in Witzenhausen auf, einer kleinen Stadt in Nordhessen, als Tochter von Theresa und Max Steinhardt, wo ihr Vater einen Laden für Metzgereiartikel betrieb. Ab 1934 besuchte sie gemeinsam mit ihren Freunden die Volksschule in Witzenhausen. Doch bald wandten sich ihre Freunde von ihr ab und als diese in der Hitlerjugend durch Witzenhausen marschierten, sangen sie: „Wenn das Judenblut vom Messer spritzt, geht es noch mal so gut“.

Von ihrem Vater, der als deutscher Frontsoldat in Frankreich während des 1. Weltkrieges mit einem schweren irreparablen Gehörschaden nach Hause zurückkehrte, berichtet Marga: „Er glaubte nicht, dass die Verhältnisse sich so schlimm entwickeln würden, wie es angedroht worden war. Er war davon überzeugt, dass die anderen größeren Nationen eingreifen würden. Als wir endlich realisierten, dass es keine Hoffnung mehr gab, war ein Weggehen unmöglich“.

Marga musste in dieser hasserfüllten Umgebung 1938 die Schule in Witzenhausen verlassen und gelangte über Umwege letztendlich im August 1939 in die Israelitische Gartenbauschule  Ahlem. Hier fühlte sie sich geborgen und konnte ihre Schulausbildung fortsetzen. Mit Beginn des 2. Weltkrieges wurde aber auch dieses immer beschwerlicher, bis der Schulbetrieb im Sommer 1941 eingestellt wurde und sie zu ihren Eltern zurückkehren musste. In Witzenhausen wurde ihre Familie in ein Judenhaus eingewiesen und von dort am 8. Dezember 1941 über Kassel nach Riga deportiert.

Margas sah ihren Vater im Herbst 1944 im Konzentrationslager Stutthof zum letzten Mal. Ihr kleiner Bruder wurde von dort weggebracht. „ Nach dem Krieg erfuhr ich in einer Radiosendung über die Nürnberger Prozesse, dass das der letzte Transport aus dem Osten war, der Auschwitz erreichte. Dort wurden sie alle vergast.“ Marga und auch ihre  Mutter überlebten. Doch sie waren weiter die Ausgestoßenen der Nazizeit. „Obwohl wir verzweifelt Deutschland verlassen wollten, brauchte es zweieinhalb Jahre, bis wir endlich gehen konnten. In jenen zweieinhalb Jahren verfolgte uns immer die Vergangenheit. Wir lebten immer noch am Rande der Gesellschaft und es gab eine hohe psychologische Mauer zwischen uns und den Deutschen“.

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