Israelreise 2012:
Auf dem Gipfel des Tell el Ful

 Nachmittags am  04.04.2012 waren wir unterwegs mit Uriel, Allah und einem engen Mitarbeiter des Jerusalemer Bürgermeisters Nir Barkat, um die unvollendete Sommerresidenz des verstorbenen jordanischen Königs Hussein aufzusuchen, die sich auf dem Gipfel des Tell el Ful befindet. Der Blick, den man von dort oben ringsherum hat, war atemberaubend, macht aber auch die enorme strategische Bedeutung deutlich.

Ich bin sicher, Ihr werdet alle diese Eindrücke noch vor Eurem inneren Auge, ggfs. auch auf dort gemachten Aufnahmen präsent haben. Ich werde auf das Gesehene deshalb nur insoweit eingehen, als es für die politische Bewertung der Situation durch die Stadtregierung und den Staat Israel von Bedeutung ist und zu ihrem besseren Verständnis beiträgt.

Generell gesagt, befinden wir uns an der Ostflanke Jerusalems und dort wiederum auf einer relativ weit nach Norden vorgeschobenen Position. Die Ostflanke des heutigen Jerusalems wird gebildet durch einen durchgängigen Höhenzug und ein nach Osten abfallendes Vorland. Im Schnitt hat diese Hügelkette eine Höhe von gut 800 Metern, jedenfalls in ihren Kuppen. Im Süden beginnt diese Kette mit dem Ölbergbereich und dem Auguste – Viktoria – Komplex, es folgt der Skopus – Berg auf dem sich die Hebräische Universität und das Hadassah – Krankenhaus befinden.

Der Skopus-Berg war nach dem Waffenstillstands- vertrag von 1949 israelisches Gebiet (inklusive des arabischen Dorfes Isawiya), war aber eine exterritoriale Insel und die Jordanier unterbanden einen freien Zugang dorthin. Das hatte zur Folge, dass sowohl die Universität als auch das Krankenhaus in West – Jerusalem neu gebaut werden mussten. An den Skopus – Berg schließt sich der French – Hügel an, der nach dem  6 Tage – Krieg von 1967 unter anderem mit dem Stadtteil Givat Shapira bebaut wurde. Es folgt der arabische Stadtteil Shuafat (hebr. Shefet), dessen Baugebiet östlich der Hauptstraße ebenfalls in weiten Teilen über 800 Meter hoch liegt.

Als letztes und nördlichstes Glied in dieser Kette folgt der im Wesentlichen unbebaute Tell el Ful. Seine Höhenangaben schwanken zwischen 839 und 860 Metern. Er ist damit wohl der höchste Berg des gesamten östlichen Höhenzugs, dessen Verlauf ich deshalb so ausführlich beschrieben habe, weil er einen natürlichen Schutz darstellt gegen Beschuß durch Scharfschützen ( vor 1967 durchaus üblich), sowie auch motorisiert vorgetragene Angriffe erschwert, jedenfalls wenn das Gebiet unter israelischer Kontrolle bleibt. Das widerspricht der von den Palästinensern vorgetragenen Forderung, die  Hauptstadt eines noch zu bildenden eigenen Staates in Ostjerusalem errichten zu wollen.

Nun zurück zum Tell el Ful: Wenn man nach Ost und Nordost sah, konnte man sehr deutlich die jüdischen Stadtteile Pisgat Ze´ev und Neveh Ya´akov erkennen; dort leben rund 70.000 Einwohner mit wachsender Tendenz. Diese Stadtteile haben neben der reinen Wohnraumversorgung eine vielfältige Sicherungsfunktion, die hier nicht vertieft werden soll. Nur soviel: Seit der frühen Antike sollen die meisten Angriffe zur Eroberung Jerusalems von Norden aus vorgetragen worden sein. Ausnahme: König David, dem  im Süden ein Tunnelweg verraten worden sein soll.

Aber auch stadtplanerisch sind sie von großer Bedeutung. Sie sind Korsettstange um gemeinsam mit den westlich angrenzenden arabischen Stadtteilen die fingerartige Norderweiterung des Stadtgebietes zu stabilisieren. Ein Auseinanderreißen dieses Gebiets hielt der persönliche Referent von Bürgermeister Nir Barkat für kaum praktizierbar. Er wies zugleich darauf hin, dass ein Fünfjahresplan mit einem Volumen von 500 Mio Dollar angelaufen sei, mit dem in vernachlässigten arabischen Stadtteilen Straßen ausgebaut, befestigt und asphaltiert werden sollen. Außerdem soll die Zahl der Klassenräume an arabischen Schulen verdoppelt werden. Dieser Mangel an Raumkapazitäten ist allgemein bekannt. Der Referent wies aber darauf hin, dass der Mangel an den ultraorthodoxen Schulen gleich hoch ist.

Was den Straßenbau und Verkehrsinfrastruktur betrifft, konnten wir schon Fortschritte erkennen: Das Tell el Ful – Areal wird im Süden von der Aluf Yekutiel Adam Straße begrenzt. Das Teilstück zwischen der neuen Nord- Südautobahn (Route 60 neu) und der alten Route 60, die jetzt die Funktion einer lokalen Hauptstraße in Shu´afat und Beit Hanina übernommen hat, wurde unlängst fertiggestellt, in der Mitte befindet sich die ebenfalls neue Stadtbahn, die von Osten kommend,  westlich nach Shu´afat führt, an der dortigen Hauptstraße nach Süden abknickt und weiter ins Stadtzentrum fährt.

Ein Weiterbau dieser Ost- West Straße ist zunächst nicht beabsichtigt, soll aber nach dem Masterplan Jerusalem 2000 (nicht rechtskräftig, aber für Straßenbaumaßnahmen und Baugenehmigungen von Häusern durchaus schon relevant) in der Zukunft mit einer Nord- Süd Straße verbunden werden, die als örtliche Umgehungsstraße den westlichen Baurand berücksichtigt  und die Hügelkonturen aufgreift. Eine Weiterführung dieser Ost- West Straße bis zur Autobahn R 404 (Nord-Süd – Achse Shederot Menachim Begin) wäre wünschenswert, da sie eine schnelle Verbindung in die Mitte Westjerusalems bieten würde. Sogar eine Verlängerung bis Ramot Allon würde Sinn machen und Ramot Shlomo wäre anbindbar.

Die nördliche Begrenzung des Tell el Ful – Gebiets wird durch die Derekh Hizma gebildet. Diese Straße wird gerade zwischen Route 60 neu und 60 alt,unter leichter Verschwenkung der Trasse nach Norden, vierspurig neu gebaut und reicht sogar bis 100 Meter über die Hauptstraße von Beit Hanina nach Westen hinaus. Das Projekt steht kurz vor der Fertigstellung. Man sieht wieder einmal in Israel geht vieles zügiger als bei uns. Die Verbesserung der Verkehrssituation für Beit Hanina wird schon jetzt beträchtlich sein. Hier ist sogar eine erhebliche Verlängerung nach Westen und eine Anbindung an die Stadtautobahn R 404 nach Masterplan Jeruslem 2000 vorgesehen.

Nun noch einmal zu unserem Ausflugsort zurück: Tell el Ful bedeutet „Bohnenhügel“, muß also einmal landwirtschaftlich genutzt worden sein. Der hebräische Name ist Givat Sha´ul, nicht zu verwechseln mit dem Stadtteil gleichen Namens ganz im Westen Jerusalems. Wieso wird der arabische Bohnenhügel zum hebräischen Hügel Sauls? Am Tell el Ful hatten mehrfach archäologische Ausgrabungen stattgefunden. Die Erste erfolgte bereits 1868 durch den bekannten britischen Archäologen Sir Charles Warren. Schon damals bestand die Vermutung, dass es  sich um die Reste des biblischen Gibeah, Zentrum des Stammes Benjamin handelt und den Regierungssitz des Königs Saul, von dem aus er 38 Jahre regiert hatte.  1922 und 1923 ergrub der Amerikaner William F. Albright weitere Strukturen, die er in die Zeit König Sauls datierte und als die erste, noch vom König selbst erbaute Festung klassifizierte. In 1964 führt P. W. Lapp eine sechswöchige Rettungsgrabung durch und bestätigte Albrights Analysen, dass es sich um Überreste einer ersten, noch von König Saul erbauten Festung handele.

Sowohl die Identität von Tell el Ful und dem biblischen Gibeah und die Festungsthese sind inzwischen wissenschaftlich weitgehend anerkannt. Noch in 1964 wurde die Grabungsstelle verfüllt. In 1965 begann dann der Bau der Sommerresidenz. Es kann davon ausgegangen werden, dass dem jordanischen König Hussein die historische Bedeutung des Geländes bekannt war. Hatte er sich in früheren Jahren in einer Villa am Rande des Hügels eingemietet, beschloss er in 1964 den Bau der Residenz, es soll sich dabei um eine Gegenmaßnahme zu der Verlagerung des Amtssitzes des israelischen Staatspräsidenten von Tel Aviv nach Westjerusalem gehandelt haben, da er diese Maßnahme als eine Verletzung des Status quo ansah. König Hussein muss die 47000 m2, die seine Residenz umgeben sollten, käuflich erworben und entsprechende Eintragungen bewirkt haben. Da Israel keine Enteignungen vorgenommen hat, muss das Gelände noch heute im Eigentum des Jordanischen Königshauses stehen. Vielleicht enthält auch der israelisch- jordanische Friedensvertrag in Zusatzprotokollen eine entsprechende Schutzklausel. Um diese Situation zu kaschieren, wurde das Gelände planerisch als Archäologischer Park ausgewiesen, der allerdings nicht von der an sich zuständigen Altertumsbehörde sondern von der staatlichen Landbehörde verwaltet wird.

 Erst neuerdings wurden an den Rändern des Tell el Ful 4 kleinere Ausgrabungen vorgenommen, die allerdings so weit vom Kerngebiet entfernt liegen, dass der Residenzbereich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht tangiert ist. Kürzlich versuchte die Waqf – Behörde, die unter anderem auch die El Aqsa Moschee verwaltet, das Gebiet einzuzäunen, weil es sich zu einem Schlupfwinkel für Drogenabhängige, Dealer und Prostituierte entwickelt hatte. Der bereits errichtete Zaun wurde von der Stadtverwaltung wieder entfernt, weil keine Genehmigung eingeholt worden war. Der tägliche Kleinkrieg um Zuständigkeiten und Besitzstandswahrung wie wir ihn unter anderem auch aus der Grabeskirche zwischen den verschiedenen Konfessionen kennen.

Bedauerlicherweise endete unser Ausflug durch meine zwei Stürze dann vorzeitig, sonst hätten wir wohl noch Ramat Shlomo besichtigt. Es ist ein von Ultraorthodoxen bewohnter Stadtteil, der nach dem Rabiner  Auerbach benannt, durch sein gepflegtes Erscheinungsbild auffällt und zu Unrecht für internationale Proteste sorgte, weil die geplanten Neubaugebiete in einem völlig unstrittig bei Israel verbleibenden Gebiet liegen sollten. Na ja, vielleicht klappt es beim nächsten Mal.

Israelreise 2012:
Jordan River Village

Jordan Village

Jordan Village

Behutsame Betreuung schwerstkranker Kinder

Auf einen Programmpunkt unserer Studienreise nach Israel 2012 waren wir in besonderer Weise gespannt. Bereits während der Studienreise der DIG Hannover in 2008 skizzierte uns der Landrat von Unter Galiläa, Motti Dotan, ein zukünftiges Projekt der Paul-Newman-Stiftung „The Hole in the Wall“. Die Absicht bestand, in Unter Galiläa eine Siedlung zu errichten für Kinder im Alter von 9 bis 18 Jahren mit schweren ernsthaften Erkrankungen oder Behinderungen, in der sie sich für eine begrenzte Zeit von ihren Sorgen und Nöten befreien können. Während unserer Studienreise 2010 sahen wir, dass der Baufortschritt bereits konkrete Formen erreicht hatte. Im August 2011 wurde das Jordan River Village seiner Bestimmung übergeben und wir konnten uns nun während unserer jetzigen Reise von der Realisierung und dem Betrieb dieses bemerkenswerten Projekts überzeugen.

Paul Newman’s „The Hole in the Wall“ Stiftung

Jordan Village

Jordan Village

Paul Newman wurde 1925 in Cleveland, Ohio geboren. Ursprünglich wollte er Pilot werden, doch seine Farbenblindheit ließ ihn bei der Musterung durchfallen. Ironischerweise wurde er später als Schauspieler wegen seiner wundervollen blauen Augen berühmt. Er startete seine Filmkarriere in der Mitte der 50-er Jahre. Der Durchbruch erfolgte mit dem Film „Sundance Kid“ von 1969, in dem er und Robert Redford zwei Banditen spielten, die am „Hole in the Wall Pass“ ihren Unterschlupf fanden.

Paul Newman hatte die Vision, Kinder mit ernsthaften Krankheiten sollten einfach Kinder sein und Spaß am Leben haben können. So eröffnete er ein Camp in dem Kinder nach seinen Worten „raise a little hell“, eine kleine Hölle errichten konnten. Paul Newmans Vision nahm bald konkrete Gestalt an und inspiriert durch den Film „Sundance Kid“ gründete er 1988 seine Wohltätigkeitsinitiative „The Hole in the Wall“. Durch dieses Loch in der Wand sollten Kinder mit schweren unheilbaren Krankheiten oder Behinderungen für einen begrenzten Augenblick schauen können, um ihre Alltagssorgen zu vergessen. Diese bemerkenswerte Idee setzte Jahre später eine ganze Bewegung in Gang und aus einem Camp entstanden inzwischen weltweit 28 vergleichbare Einrichtungen und diese Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Jetzt hat die Stiftung ihre Organisationform und den Namen geändert in „SeriousFun Children’s Network“, dabei jedoch die Grundidee von Paul Newman beibehalten.

 

Jordan River Village

Eines dieser Camps ist das „Jordan River Village“ Projekt in Unter Galiläa. Jüdische, muslimische und christliche Kinder im Alter von 9 bis 18 Jahren aus Israel und den angrenzenden Ländern, die unter schwersten Krankheiten oder lebensbedrohlichen Situationen leiden, erhalten hier die Möglichkeit für eine Woche ihre Alltagssorgen zu vergessen, sich frei zu entfalten, spaßerfüllte unvergessliche Abenteuer zu erleben, ihr Selbstwertgefühl zu steigern und das alles unter professioneller medizinischer und seelischer Betreuung. Dabei entspricht der medizinische Standard dem neuesten  Stand der Technik und die Betreuung erfolgt durch speziell ausgebildete ehrenamtliche Helfer und Helferinnen kostenlos.

Jordan Village

Jordan Village

Der Leiter des Jordan River Village Projektes, Dani Steiner, zeigte uns voller Stolz die einzelnen Gebäude mit ihren unter- schiedlichen Funktionen, wie zum Spielen, Werken und Basteln sowie für kleinere und größere Gruppenaktivitäten wie z.B Laienspiel-Theater und die Räumlichkeiten in denen die Kinder in Kleingruppen wohnen und wo sie medizinisch betreut werden. Die Außenanlagen werden ergänzt durch Flächen für Ballspiele, Klettergerüste, einen Zeltplatz, einen Streichel-Zoo, einen Abenteuer-Spielplatz und einen Reitparcours. In Kürze werden noch ein behindertengerechtes Schwimmbad und eine Sporthalle in Betrieb genommen.

Jordan Village

Jordan Village

Die Mitglieder unserer Reisegruppe waren begeistert von den hier geschaffenen Möglichkeiten der behutsamen Betreuung dieser schwererkrankten oder behinderten Kinder, dem unermüdlichen Engagement der betreuenden Personen und dem professionellen Management durch die Leitung. Wir waren überzeugt, dass das Projekt der weiteren Unterstützung von Sponsoren bedarf, wobei auch kleine Spenden den Betrieb in der Zukunft sichern helfen. Weitere Informationen über das Jordan River Village erhalten sie unter www.jrv.org.il.

23. Juni: Erfinder des Gaza-Rückzugs kommt nach Hannover

Vortrag und Diskussion mit dem israelischen Sicherheitsberater Dan Schueftan

„Eskalation in Nahost? – Israels Sicherheit in einer Region im Umbruch“

 

Dan Schueftan in Hannover

Dan Schueftan in Hannover

Er gilt als Erfinder des einseitigen Rückzugs Israels aus dem Gaza-Streifen. Am Samstag, 23. Juni, 18 Uhr, kommt Dan Schueftan, einer der bekanntesten Sicherheitsberater des nahen Ostens, nach Hannover. Im Haus der Region Hannover (Hildesheimer Straße 20, 30169 Hannover) hält er einen Vortrag (auf deutsch) über die Sicherheitslage Israels in unruhigen Zeiten.

Die Umbrüche in der arabischen Welt erlauben zwar die Hoffnung auf eine Ausbreitung von Demokratie und Freiheit in der Region, aktuell sind es aber vor allem radikal islamistische und anti-israelische Kräfte, die von Instabilität und Wahlen profitieren. In Ägypten dient die Hetze gegen Israel diversen Parteien und Kandidaten im Wahlkampf, der Friedensvertrag mit Israel von 1979 wurde offen in Frage gestellt. Die Sicherheitslage an der israelisch-ägyptischen Grenze ist bereits jetzt äußerst angespannt, und Israel hat mit dem Bau einer besser gesicherten Grenzanlage begonnen. Der Bürgerkrieg in Syrien birgt nicht zuletzt durch die Chemiewaffen des Assad-Regimes und islamistischen Kräften in der Aufstandsbewegung Gefahren für Israel. Auch auf den Libanon schwappt der Konflikt immer stärker über. Die Hisbollah verstärkt dort mit iranischer Hilfe die Kontrolle über das Land und verfügt über ein gegenüber dem Ende des letzten Libanonkriegs 2006 deutlich gewachsenes Raketenarsenal. Über allem schwebt die existenzielle Bedrohung durch das iranische Atomwaffenprogramm, welches bislang weder durch Sanktionen noch durch Diplomatie gestoppt werden konnte. Bei einem Versagen der Diplomatie stünde Israel vor der äußerst riskanten Entscheidung, einen Präventivschlag gegen die iranischen Atomanlagen zu führen.

Wir laden Sie herzlich ein, diese und andere Entwicklungen mit einem der international angesehensten israelischen Sicherheitsexperten zu diskutieren.

Dr. Dan Schueftan ist Direktor des Zentrums für Nationale Sicherheitsfragen an der Universität Haifa. Seit drei Jahrzehnten gehört er zu den Beratern der israelischen und anderer Regierungen. Unter anderem beriet er die Premierminister Rabin und Scharon. Er ist regelmäßig in internationalen Medien präsent, veröffentlichte zahlreiche Bücher und plädierte als einer der ersten für den 2005 vollzogenen einseitigen israelischen Rückzug aus Gaza.

Eine Veranstaltung des Mideast Freedom Forum Berlin
Unterstützt von der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover, der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Hannover, den Israelfreunden Norddeutschland (Arbeitskreis Hannover) und der SJD-Die Falken Bezirk Hannover

Veranstalter Dan Schueftan in Hannover 23.06.2012

 

 

 

 

 

Nachhaltige Eindrücke in Yad Vashem

Bereits im Jahr 2010 war ich Teilnehmer einer Studienreise nach Israel unter dem Motto „Auf den Spuren der Zukunft“. Die Eindrücke waren für mich so nachhaltig, dass ich in diesem Jahr wieder dabei sein wollte und mit mir meine Frau. Wir lernten eindrucksvoll das Land Israel mit seinen „Visionen und Visionären“ zu verstehen. Ganz praktisch haben wir immer wieder aufs Neue gespürt was David Ben-Gurion meint, als er feststellte: „Um in Israel Realist zu sein, muss man an Wunder glauben“. Diese Feststellung von David Ben-Gurion trifft jedoch nicht zu für den nachhaltigsten Eindruck, den wir von Israel als Folge des Besuches der Gedenkstätte Yad Vashem und dem Tal der Gemeinden mit nach Hause genommen haben.

Die Art und Weise, wie uns unser israelischer Begleiter Uriel Kashi diese beiden Stätten der ewigen Erinnerung nahegebracht hat kann nicht beschrieben werden, ohne ihre Nachhaltigkeit zu stören. Das kann man nicht besser machen, deshalb einfach nur DANKE!

Harald und Birgit Wirth,
Penzberg, April 2012

High Tech im Kibbuz Ketura und im Arava-Institut

Besonders  interessant und lehrreich waren die Kibbutz-Aufenthalte anlässlich unserer Bildungs- und Studienreise. Bleibend war mein Eindruck vom Kibbutz Ketura, der 1973 von jungen amerikanischen Zionisten unmittelbar an der jordanischen Grenze in der Negev-Wüste gegründet wurde. Die etwa 300 Kibbutz-Bewohner (Mitglieder, Kinder und Gast-studenten/innen) verbreiten Lebensfreude. Sie wohnen in kleineren raümlichen Hütten oder eingeschossigen Häusern, die überwiegend mit Vorgärten oder gemütlichen Grillecken ausgestattet sind.

Eine stattliche Kuhherde und ausgedehnte Dattelplantagen zeugen davon, dass die Landwirtschaft nach wie vor einen hohen Stellenwert genießt. Die Bewohner haben sich jedoch auch neue Erwerbsquellen erschlossen, die ein hohes Maß an Ideenreichtum und Innovationskraft erkennen lassen: Eine großflächige, von der Firma Siemens errichtete Photovoltaik-Anlage mit einer Gesamtleistung von fünf Megawatt nutzt die Sonnenbestrahlung der Wüste und liefert energiefreundlichen Strom, in einer Algenfarm wird mit einem Filtrationssystem ein hochwertiger natürlicher Farbstoff (Astaxanthin) gewonnen, der insbesondere in der pharmazeutischen und kosmetischen Industrie zur Anwendung gelangt.

Der Kibbuz ist auch Sitz des Arava-Instituts für ökologische Studien in dem jeweils für ein Jahr 35 Studenten/innen aus aller Welt ausgebildet und unterrichtet werden. Das Gemeinschaftsgefühl steht dabei im Vordergrund und erhält dadurch einen besonderen Anreiz, dass arabische und jüdische Studenten gemeinsam versuchen, die schwierige Lebenssituation in der Wüste mit umweltorientierten Forschungsansätzen und Lösungsvorschlägen zu verbessern. Ausgewählte Projekte befassen sich u.a. mit der sparsamen grenzüberschreitenden Wassernutzung, dem effizienten Einsatz erneuerbarer Energien, der nachhaltigen Bodennutzung und Landwirtschaft, der Umwelterziehung sowie langfristigen sozio- ökologischen Untersuchungen. Wie uns die geschäftsführende Direktorin des Instituts, Frau Miriam Sharton, und zwei Studentinnen darlegten, wird auch auf die Unterweisung friedenspolitischer Zusammenhänge besonderen Wert gelegt. Seit Gründung des Instituts im Jahr 1996 haben schon über 400 Studenten/innen diese hervorragende Ausbildungsmöglichkeit genutzt und bilden heute mit ihren Berufsfeldern ein Netzwerk, das eine außerordentliche ökologische und friedensstrategische Ausstrahlung widerspiegelt.

Inmitten von Ketura steht ein kleines, von einem feingeschmiedeten Eisengitter umgebenes Dattelbäumchen mit dem Namen Methusalem. Es erwuchs aus einem uralten Kern, der auf der historischen Festungsanlage Massada am Toten Meer gefunden wurde und aufgrund der dortigen besonderen Klimabedingungen erneut zum Leben erweckt werden konnte. Das Bäumchen verkörpert eine 2000-jährige Geschichte, hat die Diaspora des Judentums überlebt und ist ein einzigartiges Symbol für die Resistenz und Lebenskraft der Natur und die sehr anerkennenswerte nachhaltige Umwelt- und Friedensausrichtung des Arvara-Instituts.

Jochem Schäfer

 

 

Studienreise 2012:
Visionen und Visionäre oder
die Wüste als Wiege der Nation?

Die Teilnehmenden der Studienreise waren fasziniert von den abwechslungsreichen Landschaften und den Menschen mit unterschiedlichster Couleur, die das multikulturelle Kaleidoskop der israelischen Gesellschaft prägen. “Alle Israelis nehmen teil an einem einzigartigen historischen Experiment, das noch lange nicht gelungen und auch noch nicht gescheitert ist. Das macht ihre Geschichte so spannend”, meint der Historiker und Publizist Tom Segev.

“Ende des Zionismus” oder auch “Post-Zionismus” sind Schlagworte, die heute in der Welt und in Israel selber diskutiert werden. In der Wirtschaftswissenschaft wird Israel als “Start-up Nation” bezeichnet – ein moderner Ausdruck, der den Mut zur Neugründung des Staates vor über 60 Jahren und seine bis heute anhaltende Bereitschaft, sich täglich neu zu erfinden, auf das beste beschreibt. Eine besondere Rolle spielt dabei die Negevwüste, sie nimmt sechzig Prozent des Staates Israel ein, beherbergt aber nur knapp zehn Prozent der Bevölkerung, allerdings mit steigender Tendenz.

“Die Wüste ist die Wiege unserer Nation, gefährdet, empfindlich und voller Möglichkeiten”, sagte David Ben Gurion und forderte seine Volksgenossen unermüdlich auf, in die Wüste zu ziehen. Mit 67 Jahren erfüllte er sich schließlich seinen Traum, zog selbst nach Sde Boker.

Es sind die “modernen Zionisten”, vom Idealismus getriebene und geprägte High-Tech-Pioniere, die sich mit ihrer “Go South”-Ideologie auf den “Alten” (Ben Gurion) beziehen. Welche Strategien werden genutzt um die Vision vom Leben in der Wüste zu verwirklichen? Welche Ideen werden hier umgesetzt, welche innovativen Technologien eingesetzt? Hautnah und aus erster Hand, mit den Menschen vor Ort, wollten wir ergründen, was es bedeutet heute als moderner Zionist in der Wüste zu (über)leben.

Impressionen von der DIG-Israelreise 2012

 

Die Teilnehmer der werden in loser Folge Ausschnitt der vielfältigen Eindrücke, die wir während dieser Reise gewonnen haben, hier veröffentlichen. Damit versuchen wir ein breites Bild des Staates Israel und seiner Menschen zu zeigen. Diese Berichte können nicht umfassend sein, sondern werden je nach Meinung der jeweiligen Autoren, einen bestimmten Aspekt, der ihnen wichtig erschien, widerspiegeln.

Liste der Berichte von der Studienreise

  1. Beginnen wollen wir mit unserem Besuch bei Ulrich Sahm, der als freier Journalist bereits seit etwa 40 Jahren aus Israel für deutschsprachige Medien berichtet. Mit humorvollen bis sarkastischen aber auch nachdenklichen Worten fasst er selbst unseren Besuch zusammen. Er trifft damit auch die Stimmung, die wir im Hause Sahm empfunden haben. Zum Text von Ulrich Sahm.
  2. Die Fähigkeiten der High-Tech-Nation Israel haben wir im Kibbuz Ketura und im Arava-Institut kennengelernt. Zum Text.
  3. Der Besuch in Yad Vashem war für die gesamte Reisegruppe sehr beeindruckend. Zum Text.
  4. Im Jordan River Village werden kranke Kinder betreut. Zum Text.
  5. Auf dem Gipfel von Tell el Ful. Zum Text.

Aygül Özkan und Stefan Schostok kommen zum Israeltag am 10. Juni

Hochrangiger Besuch hat sich zum disjährigen Israeltag in Hannover angekündigt. Sowohl die Niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan als auch der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Stefan Schostok, werden am 10. Juni, ab 15 Uhr, im Innenhof des Lister Turms mitfeiern. Darüber hinaus wird Bernd Strauch, Erster Bürgermeister, die Grüße der Stadt überbringen. Weiterlesen

Israel Gastland bei Drachenbootrennen auf dem Maschsee

Für mehr Toleranz wirbt die Initiative “Wir sitzen alle in einem Boot“. Und das sehr anschaulich. Denn wie schon im vergangenen Jahr veranstalten die beiden Madsack-Mitarbeiter Werner Hohlbein und Hanno Saade auch 2012 wieder ein Drachenbootrennen auf dem schönen Maschsee. Gastland ist in diesem Jahr Israel.

“Als 2006 nach den Mohammed-Karikaturen in der syrischen Hauptstadt Damaskus die dänische Botschaft gestürmt und angezündet wurde, forderten religiöse Fanatiker den Religionskrieg. Das hat mich total wach gerüttelt. Glücklicherweise fand ich mit Herrn Dr. Hanno Saade einen Gleichgesinnten ebenfalls aus dem Hause der Verlagsgesellschaft Madsack. So fassten wir beide gemeinsam den Entschluss: Wir können nicht tatenlos zusehen, wenn sich Menschen unterschiedlichsten Glaubens gegenseitig umbringen. Wir müssen etwas dagegen tun!”, schreiben die beiden Initiatoren in einem Brief über den Beginn ihrer Idee.

Einladung zum Drachenbootrennen

Programm Drachenbootrennen

Anmeldeformular

 

Vortrag in Hannover: “Ist Krieg noch zu verhindern?”

Krieg oder Frieden

Ein Vortrag von Michael Spaney, Sprecher der Aktion STOP THE BOMB, über die Eskalation im Konflikt zwischen Iran und Israel.

Die von der internationalen Atombehörde in Wien bestätigten Atombomben-Bestrebungen Irans, lassen die Zeit für Israel knapp werden, sich gegen diese existentielle Bedrohung zur Wehr zu setzen.

Auch wenn westliche Regierungschefs erklären, dass sie nach wie vor am Ziel festhalten, die iranische Nuklearwaffenkapazität zu verhindern, stellt sich für Israel die Frage, ob die aktuellen Bemühungen der internationalen Gemeinschaft zu spät kommen.

Sanktionen zeigen Wirkung, brauchen aber zur vollen Entfaltung eine lange Anlaufzeit. Oft lässt sich am politischen Willen des Westens zweifeln, harte Sanktionen effektiv, umfassend und vor allem mit der gebotenen Dringlichkeit zu beschließen und umzusetzen. Das von der EU im Januar 2012 ausgesprochene Ölembargo soll erst im Sommer wirksam werden. China und Indien zeigen nur geringe Unterstützung, bei Sanktionen mitzuwirken. Westliche Experten verharmlosen weiterhin die Gefahr einer atomaren Rüstungsspirale im Mittleren Osten für die globale Sicherheitsarchitektur. Auch die mögliche Weiterreichung nuklearen Materials an terroristische Gruppen stellt nicht nur für Israel eine Bedrohung dar. Nach einer Phase der diplomatischen Hintergrundgespräche sind aus Israel vermehrt eindrinliche Warnungen öffentlich geworden.

Sollte es dem iranischen Regime gelingen, alle nötigen Atomanlagen unterirdisch zu betreiben, wäre es zu spät für ein militärisches Eingreifen. Aus Teheran reißen die Drohgebärden nicht ab. Die Machthaber in Teheran haben ihr politisches Überleben an den Erhalt der Atombombe geknüpft.

Welche Optionen – kriegerische und nichtmilitärische – gibt es noch für Israel, wie groß sind dabei die Risiken und auf wessen Mithilfe kann es rechnen? Oder wird Teheran den bereits stattfindenden asymetrischen Terrorkrieg gegen Israel und den Westen eskalieren und auch z. B. in Europa Anschläge ausführen lassen?

Michael Spaney ist Vorsitzender des Mideast Freedom Forum Berlin (MFFB). Das MFFB wurde 2007 gegründet um Demokratie, Freiheit und Menschenrechte im Mittleren Osten zu befördern und Despotie, Islamismus und Antisemitismus in der Region zu bekämpfen.
Michael Spaney ist auch Sprecher der Kampagne STOP THE BOMB, die versucht eine iranische Nuklearkapazität zu verhindern, indem sie für harte Sanktionen eintritt. Michael Spaney ist von Beruf TV-Journalist.

Er ist Autor von “Siemens, Linde & Co.” zum deutsch-iranischen Handel in Grigat/Hartmann: Iran im Weltsystem, Studienverlag, Wien 2010.

Donnerstag, 26. April, 18:30 Uhr, ÜSTRA-Remise, Goethestraße 19, Hannover.

Anfahrt: Stadtbahnlinien 10 und 17 bis Haltestelle Clevertor oder Stadtbahnlinien 4, 5, 6, 16 sowie Buslinien 128, 134, 300, 500 und 700 bis Haltestelle Steintor